Technik6 Min. Lesezeit5. März 2025

True Peak, RMS und LUFS: Die drei Lautstärke-Metriken im Überblick

Wer beim Mastering nur auf einen Zahlenwert schaut, übersieht meistens etwas Wichtiges. LUFS sagt dir, ob dein Track streaming-konform ist. True Peak verhindert Verzerrung bei der Wandlung. RMS ist ein älteres Werkzeug, das heute kaum noch gebraucht wird, aber gelegentlich noch auftaucht. Sobald du weißt, was jede Metrik wirklich misst, verlierst du beim Mastering nicht mehr den Überblick.

True Peak: der Pegel, den du nicht direkt siehst

True Peak (TP) erfasst nicht nur die digitalen Sample-Werte, sondern auch den rekonstruierten Pegel zwischen den Samples (Inter-Sample-Peaks). Der Grund: Bei der Digital-Analog-Wandlung wird die Wellenform zwischen den einzelnen Samples interpoliert, und dabei können Spitzen entstehen, die über dem höchsten digitalen Sample-Wert liegen.

Konkret heißt das: Ein Track mit digitalen Peaks bei −0.3 dBFS kann nach der D/A-Wandlung reale Pegelspitzen über 0 dBFS erzeugen — auf manchen Abspielgeräten führt das zu hörbarer Verzerrung.

Richtwerte: Für Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music oder YouTube gilt max. −1 dBTP, für Club-Systeme eher max. −0.1 dBTP.

In Beatzucker siehst du den True-Peak-Wert deines Tracks direkt vor und nach dem Mastering.

RMS: der Standard von gestern

RMS (Root Mean Square) berechnet den quadratischen Mittelwert des Signals und war der übliche Maßstab, bevor LUFS sich durchgesetzt hat. Das Problem: RMS misst reine Signalenergie, nicht wie laut ein Mensch das Signal tatsächlich empfindet — psychoakustische Wahrnehmung spielt bei RMS keine Rolle.

Im modernen Mastering spielt RMS deshalb kaum noch eine Rolle als primäre Referenz. Man begegnet dem Begriff heute vor allem noch in älteren DAW-Handbüchern oder Legacy-Workflows. Für Streaming-Mastering kannst du RMS getrost ignorieren und dich vollständig auf LUFS verlassen.

LUFS: der heutige Maßstab

LUFS (Loudness Units relative to Full Scale) misst Lautstärke psychoakustisch, nach den Standards ITU-R BS.1770 und EBU R128. Die Messung gewichtet Frequenzen entsprechend dem menschlichen Gehör (K-Weighting) und bildet die durchschnittliche Lautheit über die gesamte Tracklänge ab.

Dabei gibt es drei Varianten:

Integrated LUFS: der Durchschnittswert über den kompletten Track — genau der Wert, den Streaming-Dienste für ihre Lautstärke-Normalisierung heranziehen.

Short-Term LUFS: der Durchschnitt der letzten 3 Sekunden, hilfreich, um Dynamikschwankungen innerhalb eines Tracks zu erkennen.

Momentary LUFS: der Durchschnitt der letzten 0,4 Sekunden, zeigt dir kurzfristige Lautstärkespitzen praktisch in Echtzeit.

Auf den Punkt: Welche Metrik wann?

Ein kompakter Spickzettel für die Praxis:

  • True Peak: vor dem Export checken — max. −1 dBTP für Streaming-Releases.
  • Integrated LUFS: nach dem Mastering prüfen — Zielwert hängt von der Plattform ab (−14 für Spotify, −16 für Apple).
  • Short-Term LUFS: während des Mixens zur Dynamikkontrolle nutzen.
  • RMS: nur relevant bei Legacy-Systemen oder älteren Broadcast-Vorgaben.
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